Die Chronik des Zwingers Pachacumac

geschrieben von Diotima Schäfer

Es geschah Ende des Jahres 1956, daß Frau Ursula Schulze beim Ausführen ihrer zwei Pudel im ehemaligen Zoo von Düsseldorf , den Ehepaar Sachs und deren Afghanen Bhakkar's Abradur -(Iwan gerufen)- und Bhakkar's Abradur Banugh begegnete.

Es sollte eine schicksalhafte Begegnung werden, denn Ursula Schulze, die bisher 3 Würfe mit schwarzen Pudeln gezüchtet hatte, verlor ihr Herz sofort an diese faszinierende Windhundrasse.

Mit dem ihr eigenen Engagement befasste sie sich mit ihrer neuen Liebe und konnte durch die Vermittlung des Ehepaars Sachs kurz vor Weihnachten 1956 die Afghanen-Hündin Bhakkar's Babshy erwerben.

Babshy, A 2189 , an die sich sicherlich alte Mitglieder noch erinnern können, war damals 10 Monate alt und bereits durch vier Hände gegangen, als sie der Züchter Peter Szalinski ins Haus Schulze zur endgültigen Bleibe brachte.

Babshy wurde eine hervorragende Rennhündin - ich werde, später auf sie zurück - kommen.

Ursula Schulze hatte vor der Bekanntschaft mit Sachsens noch keinerlei Kontakt zum DWZRV gehabt und ist dann selbst erst 1958 eingetreten, nachdem ihr Ehemann Heinz Schulze , Jahre später Zuchtleiter Präsident des DWZRV und der UICL , Zuchtrichter für Glatthaar Rassen bereits schon im Jahr 1957 Mitglied geworden war.

Die Veröffentlichung des geschützten Zwingernamens Pachacumac finden wir im Zuchtbuch Band XIX, 1958 - 1960.

Der Zwingername Pachacumac resultierte aus der Zeit von Ursula Schulzes Pudelzucht, da ihre erste Pudelhündin Inka geheißen hatte. Inka war eigentlich ein Herrschertitel, wurde aber später als Bezeichnung für ein indianisches Herrscher-geschlecht im mittleren Andengebiet Südamerikas verwendet.

Sie verehrten einen Sonnengott Names Pachacumac und nannten sich Sonnensöhne.

Es gibt einen Ort Pachacumac, er liegt ca. 20 km vom heutigen Lima / Peru entfernt und ist als archäologische Lokalität zu besichtigen, war er doch lange Zeit die gesamtperuanische Orakelstätte , das Delphi alt Amerikas, eine heilige Stadt. Priester verkündigten die göttlichen Weisungen in einem Tempel, der einen Gott geweiht war, der den gleichen Namen trug wie die Stadt Pachacumac. Und dies bedeutet in der Übersetzung :

Herr der Welt, der der die Ordnung und den Gang der Dinge,
die Gesetze der Welt und den Weltalls bestimmt.

Allein schon die Bedeutung das gewählten Zwingernamen mußte als Herausforderung gelten.

Wie auch immer, Ursula Schulze begann mit großem Einsatzvermögen und Zielstrebigkeit Afghanische Windhunde zu züchten, durchstand und durchsteht Sie die Widrigkeiten im züchterischen Auf und Nieder und erreichte es in wenigen Jahres den Namen Pachacumac zu einem Begriff zu machen. Sei es auf Rennveranstaltungen, sei es auf Zuchtschauen , ganz im Sinne des Deutschen Windhundzucht - und Rennverbandes.

Mehr als 40 Jahre nun, - auch heute noch 4 Jahrzehnte später - , sind die Pachacumac´s - die Sonnensöhne - nicht aus der Windhundscene, aus der Afghanenzucht wegzudenken.

Wir finden die 1te Wurfeintragung (unter Buchstaben D) im Zuchtbuch Band XIX, Seite 36,Wurftag 5.1.1960, Zuchtbuchnummern A2954 - 2959 Mutter war die schon erwähnte Rennhündin Bhak kar's Babshy, inzwischen Derby-Siegerin 57, Bundesrennsiegerin 57, UICL - Rennsiegerin 57 ( damals gab es nur eine Meisterschaft ) Landesrennsiegerin NRW, Vater der rasante Rennrüde Jalesco el Hor, A1779, DDR Rennsieger 1958, Bundesrennsieger 1959. Aus diesem D Wurf gingen so bekannte Afghanen hervor, wie Doree Derby-Siegerin 1961, (mit 36,1 sec.) Bundesrennsiegerin 61/63 UICL - Rennsiegerin 61 / 62 / 63, LRS 61 / 62 ( Doree stellte für lange Zeit den Bahnrekord in Hamburg - Farmsen mit 35,5 sec. auf 480 m und 26,2 sec. auf der festen Bahn in Utrecht / NL ein)

 

Doree war 66 Rennen gelaufen und hatte davon 62 (!) gewonnen. Außerdem war sie auch Internationale- und Jugoslavische Schönheitschampionesse.

Dondo erfolgreicher Rennhund, Derby-Sieger 61

Debüt Gewinner vieler Rennen, vor allem im süddeutschen Raum damals ein Begriff - und Dodo, ebenfalls eine herausragenden Rennhündin.

Mit diesem - ihrem ersten Afghanenwurf - war Ursula Schulze voll ins Renngeschehen eingestiegen.

Die nächste Erfolgsserie brachte der 4.Wurf des Zwingers, der G - Wurf, nach Ubharasis de Nuh-Belaei, A 2116, mit der bezaubernden Shanaz de Nuh-Belaei, A 2392, beide Champions. Die prägnantesten "Kinder" daraus : Gazni, A 3223, ein sehr zuverlässiger, erfolgreicher Rennhund im Besitz von Fam.Tillmann / NRW Gypsi,A 3225, der wohl unter seinen Geschwistern Bekannteste, wurde Int.- Deutsch- , Jugoslav.- Champ. , Sieger Slovonien, div LS-Titel, BOB, BIS und erhielt als erster Afghane den Titel UICL - Champion für Schönheit und Rennleistung, Zertifikat Nr. 5, Bes. D. Schäfer - Kroth.

Gaja, A 3226 , wurde Deutsche Championesse - im Besitz von Frau E. Schwalb. Die Nachkommen aus dem folgenden H Wurf , nach CH Pallas vdOM , A 2550 , mit Unnatha de Nu-Belaei , A 2118 , waren sowohl sehr erfolgreich wie auch richtungsweisend für die spätere Zuchtentwicklung.

Der Rüde Hafis , A 3354, Int.-, Deutsch.-, CSSR.- Champ. Schweizer Sieger, Bundessieger 64, Verbandssieger 65, UICL - Europa - Sieger 65, wurde zu einen der meist frequentierten Deckrüden seiner Zeit.

Der Bruder Heris, A 3356, verbuchte ebenfalls beträchtliche Ausstellungserfolge und die Schwester Hummel , A 3357 ( mehrere CACIB´s , Res.CAC´s ) wurde die eigentliche Stammutter der weiteren Zucht.

Die weiteren Erfolgshunde kann ich nur noch - mit Ausnahmen - in Stichworten benennen, es würde zu umfangreich. Kerki , A 3737, Wt.19.3.64, wurde u.a. Bundesrennsieger und Derby-Sieger, Kaprice, A 3742, u.a. 2. Im UICL - Europa - Rennen, Libelle, A 3746, u.a. Bundesrennsiegerin,

zwei weitere L´s - Lyra, A 3748 und La Jana, A 3745, waren sehr schnelle Hündinnen. La Jana, LRS Bayern 65, wurde die Stammmutter der Zuchtstätte el Di-tschu-rahdan und erwies sich als blendende Vererberin, sowohl für Rennen, wie für Ausstellungen. Sie war die Mutter zu Bharat el Di-tschu-rahdan , A 5364, Verbands- Rennsieger 70, LRS Bad.-Württbg. 70/71/72 , LS-Bad.-Kurpfalz , VDH - Champ.. B' Pajou eD-t-r , A 5367, UICL Verbands - Bundessieger , div. Championate und LS -Titel.

Bhadjarall, A 5368, zuverlässige Rennhündin , 3te im UICL - Rennen und Fangio , A 5827, Deutsch. Champ., div LS - Titel.

Wie überhaupt nun langsam die "Ableger" der Pachacumac von sich reden machten.

Mufti , A 3810, ( Hafis - CH Thanza vdOM, A 2654 ) war der nächste internationale und Deutsche Champion der Pachacumacs.

Im N - Wurf ging wieder ein ganz.großer Star auf , Nathan , A 3902 , er war von klein auf eine Schönheit. Er wurde Internat.- , Deutsch. - Champ. , Jugendwinner , Winner 66 , Sieg. Ungarn 68, Sieg. Serbien 67 , Bundessieger 66/67/69, Verbandsag.67 u.a. mehr. Er bekam als 2ter Pachacumac das begehrte UICL Championat für Schönheit und Rennleistung zugesprochen, er war also auch ein ausgezeichneter Rennhund. Sein Vater war der bekannte Vererber CH Wladimir vdOM die Mutter Hummel. Nathan ging einige Zeit später in die USA.

Für den nächsten Wurf holte sich Ursula Schulze fremdens Blut. Die so erfolgreiche Hummel wurde mit dem Rüden Nebene de Pandjahl ( im Besitz des Zwingern EI Kaira ) gepaart. Damit setzte die Züchterin zum ersten Mal engl. - amerikanische Blutlinien ein - durch Nebene's Vater , den Belg.CH Gunga Din of Carloway.

Der Erfolg gab ihr recht. Es wurde ein spektakulärer Wurf, gleich 3 Nachkommen davon machten Furore. Pandjah , A 4154 , Spitzenrennhund , UICL - Rennsieger, Pani , A 4155 , Int.-, Deutsch.- , CSSR. - Champ. Verbandssg.68 , UICL - Sieger 69 und BIS , UICL - Sieger 71, Bundessieger 69 , div. LS-Titel , ausgezeichnete Rennhündin und Pan A 4153, Int.-, Deutsch.-, Luxembg. Champ. ( dies dreimal ) ,Verbandssieger 70, Weltsieger 71 , div. LS - Titel, mit einem traumhaften Kopf versehen, wurde als Vaterrüde in vielen Zuchten eingesetzt.

Pani hatte ein wunderschöne, schattierte Rottönung.

Pan war etwas heller, am Kopf mit grau - schwarzen Haaren durchsetzt - diese Sáble - Zeichnung findet man noch heute an seinen Nachkommen wieder.Sein hoch edler, langer, dabei aber trotzdem rüdenhafter Kopf, mit hoher schwarzer Maske wurde ein Marken-zeichen zum sogenannten "Pan-Kopf". Insider wußten und wissen es heute noch, was man damit ausdrücken möchte.

Pan und Pani ein schönes Geschwisterpaar, ausgestattet mit üppigem Haarkleid, im Alter fast schon zuviel.

Pani wurde von nun an zur hervorstechenden Vererberin im Zwinger Pachacumac und zwar mit allen ihr verpaarten Rüden, Pan ein vielgefragter Deckrüde, brachte wohl die größten Erfolge in anderen Zuchtstätten, z.B. "v. Klosterhof " "d' el Chodocha Saba " , "el Di-tschu-rahdan", "el Dadochnapur " u. a.

Inzwischen hatten die Pachacumac´s schon einen ganz eigenen Typ bekommen, schönes Rot, elegante, kraftvolle Erscheinung, freies Wesen, Rennbegeisterung, vorzügliche Anatomie und wunderschöne Köpfe mit schwarzen Masken und dunklen ideal eingesetzten Augen. Feminine Hündinnen, maskuline, aber edle Rüden, man erkannte sie sofort, wenn man ihnen gegenüberstand.

 

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